< Das Zahnärztinnen Netzwerk feiert den 3. Geburtstag und wird mobil
Dienstag, 22. September 2015

Frauenpower durch Networking

Für Zahnmedizinerinnen gibt es immer mehr Möglichkeiten, sich gezielt mit Kolleginnen auszutauschen. Beim Zahnärztinnen Netzwerk dreht sich alles um unternehmerische Kompetenz.

„Was ist die größte Schwäche von Frauen, aber auch von Männern, wenn sie frisch aus der Universität kommen und beginnen, in der Zahnmedizin zu arbeiten?“ Diese Frage stellte sich Unternehmensberaterin Claudia Huhn vor einigen Jahren. „Sie sind zahntechnisch recht fit und könnten nach ihrer Assistenzzeit, in der sie hoffentlich noch fitter werden, theoretisch eine eigene Praxis aufmachen. Praktisch haben sie aber null unternehmerisches Wissen.“ Die Achillesferse der Universitätsausbildung war einer der Ausgangspunkte für die Entstehung des Zahnärztinnen Netzwerks. Dazu kam die Beobachtung: Die Zahnmedizin wird weiblich. „Wir haben im Moment schon etwas über 67% an Studienanfängerinnen. An manchen Universitäten gibt es sogar im ersten Semester entweder noch einen einzigen Quotenjungen oder schon gar keinen mehr.“ Dieses Ungleichgewicht liegt an der Studienplatzvergabe über den Numerus Clausus und den durchschnittlich besseren Noten von Abiturientinnen. In Sachen Networking allerdings liegen die Frauen noch nicht so weit vorn.

Boys Network

Bei den öffentlichen Organen der Zahnärzteschaft sind in hohem Maße Männer engagiert. „Und in der unternehmerischen männlichen Welt sind Organisationen wie Rotary oder Lions Club schon sehr lange stark verankert“, sagt Claudia Huhn, die sich selbst auf das Coaching und Training von Zahnarztpraxen und Dentallaboren spezialisiert hat. „Wenn sich zwei Männer kennenlernen, checken die in der Regel auch schnell ab: Was kann der andere, und welchen Wert bringt er mir für mein eigenes Netzwerk?“ Bei Frauen sei das unternehmerische Denken auch im persönlichen Bereich oft nicht so ausgeprägt. Zwar treten sie im Alltag laut Geschlechter-Klischee stets als perfekte Managerin aller sozialen Strukturen auf. „Aber beim Geschäftlichen ist dann typischerweise das männliche Wesen eher darauf trainiert, dafür zu sorgen, dass das eigene Gesicht und die eigene Leistung sichtbar wird.“ Kurz: Männer reden mehr über sich und verteilen mehr Visitenkarten. Das darf ruhig anders werden, beschloss Claudia Huhn gemeinsam mit einigen Mitstreitern aus der Dentalbranche. 

Girls Network

Zum Zeitpunkt dieser ersten Idee gab es bereits das Netzwerk der Frauen von ZoRA („Zahnärztinnen organisieren Recht und Arbeit“), das Forum Dentista e.V. und den ladiesdentaltalk. Jede der Vereinigungen hat ihre unterschiedlichen Schwerpunkte, die zum Beispiel im eher standespolitischen oder im zahnmedizinischen Bereich angesiedelt sind. „Also haben wir unseren Fokus auf den Aufbau und Ausbau von unternehmerischer Kompetenz gesetzt“, so Claudia Huhn. „Einmal, um ein Alleinstellungsmerkmal für das Zahnärztinnen Netzwerk zu finden, aber auch als coole Ergänzung zu den anderen Initiativen. Man könnte im Moment in allen vier Netzwerken aktiv sein, ohne dass es allzu viele Überschneidungen in den Themen gibt. Und bei uns geht es vor allem darum: Was kannst du als Zahnärztin erreichen, wenn du tatsächlich unternehmerisch denkst?“

Online Netzwerken

Im Sommer 2012 ging die Seite des Zahnärztinnen Netzwerks online. Sie besteht aus einem offenen und einem geschlossenen Bereich, der nur registrierten Nutzerinnen zur Verfügung steht. Sehr wichtig ist den Frauen dabei der Datenschutz. Die registrierten Kontakte werden nicht an Dritte weitergegeben, wie das Netzwerk bewusst betont. Das Spektrum der auf der Webseite aktiven Zahnmedizinerinnen reicht von der Studentin im ersten Semester bis zur erfahrenen niedergelassenen Zahnärztin. Für alle zugänglich sind zum Beispiel die Stellen- und Praxisbörse, der Veranstaltungskalender und der Blogbereich. Registriert sein muss, wer auf das Web-Coaching („Webinare“) oder den Expertinnenpool zugreifen möchte. Hier können Fragen zu allen Bereichen des Praxisalltags gestellt werden, ob es nun um Finanzen, Marketing, Praxismanagement oder Personalführung geht. In der sogenannten Knowledgebase werden die Antworten später anonymisiert gesammelt. So entsteht eine Art „Wikipedia light“, wie es Claudia Huhn nennt. Auf Wunsch der Nutzerinnen wurde auch ein Community-Bereich eingerichtet, in dem sich die Zahnärztinnen – ähnlich wie bei facebook – miteinander vernetzen können. Auch auf anderen Social Media-Kanälen machen die Netzwerkerinnen inzwischen auf sich aufmerksam, vom Youtube-Video über das Xing-Profil bis zur Smartphone App.

Kontakte knüpfen

Außerhalb der digitalen Welt wird stark am Aus und Aufbau regionaler Treffen gearbeitet. Gegenwärtig ist das Zahnärztinnen Netzwerk in Deutschland durch 14 Regionalpartner vertreten, weitere sind im Gespräch. Die regionalen Unterstützer sind Dentallabore. Sie bieten eine dauerhafte Ansprechpartnerin vor Ort und laden als Gastgeber zu den regelmäßigen Regionaltreffen des Netzwerks, die jeweils mit einem Vortrag beginnen und nach der Diskussion als offenes Networking ausklingen. Darüber hinaus wird am 12. März 2016 der dritte Kongress des Zahnärztinnen Netzwerks stattfinden. Veranstaltungsort ist diesmal Berlin. Der vielversprechende Titel lautet „Symphonie des Erfolgs“. Drei Referentinnen werden sich dabei den Bereichen Personalmanagement, Praxis- und Ergebnismanagement widmen. Gute Nachricht für Ehepartner: Die Abendveranstaltung ist auch für Männer geöffnet.

Karrierekicks

„Was mir am meisten bei diesem Netzwerk Spaß macht, ist die Offenheit der Frauen“, erzählt Gründerin Huhn. „Bei den Veranstaltungen oder den Kongressen entsteht immer das Gefühl, als würden sie jede der Teilnehmerinnen schon mindestens zehn Jahre kennen. Und alle wollen miteinander und voneinander lernen.“ Der Gedanke, Wissen weiterzugeben, führte auch zum jüngsten Projekt des Netzwerks. Im Mentorinnen-Programm, dem ersten seiner Art, sollen Zahnmedizin-Studentinnen mit gestandenen Behandlerinnen zusammen gebracht werden, um den jungen Frauen so den Weg durch die Ausbildung und in die Karriere zu erleichtern. Tatsächlich waren sofort zahlreiche niedergelassene Zahnärztinnen bereit, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Das erste Pärchen aus Mentorin und Mentee wurde gerade frisch verkuppelt.

Die Zukunft des weiblichen Networking sieht Claudia Huhn sehr positiv: „Ich glaube, dass der Austausch bei der jungen Generation, die Social Media und digitale Vernetzung schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, immer weiter wachsen wird. Es dauert zwar noch eine Weile, aber ich bin ganz guter Dinge, dass wir irgendwann einmal den übergroßen Teil aller Zahnärztinnen im Netzwerk registriert haben werden.“

Geschrieben von Sonja Schultz für die zm - zahnärztliche Mitteilung