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Kategorie: " Frau sein, Frau bleiben "

02. August 2016 | 14:31 Uhr | Monika Stübbecke

Die Emanzipation der Frau

Der neue britische Premierminister – eine Frau, der nächste US-amerikanische Präsident – vielleicht weiblichen Geschlechts und nicht zuletzt Angela Merkel, die vom amerikanischen Forbes-Magazin bereits zum sechsten Mal zur mächtigsten Frau der Welt ernannt wurde. Im Juni erschien in der ZEIT ein Artikel von Iris Radisch mit dem Titel „Na endlich, sie kommen!“.

Nach gerade mal 337 Jahren, so die Autorin, könnte tatsächlich das Oberhaupt der mächtigsten Nation weiblich werden. Und es hat bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gedauert, bis die Frauen in den wesentlichen Bereichen zumindest vor dem Gesetz gleichberechtigt waren.

Aber diese Gleichberechtigung mit dem männlichen Geschlecht ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit und es gibt immer noch viele Regionen auf der Welt, in denen eine Frau kein selbstbestimmtes Leben führen kann. In der Geschichte der Frau ist die Emanzipation nach wie vor ein zartes Pflänzchen, welches gehegt und gepflegt werden will, damit Gleichheit im Alltag zur Selbstverständlichkeit wird. Aus diesem Grunde hält die Autorin es für wichtig, dass die weibliche Generation Y weiter für die Emanzipation der Frau kämpft und sich nicht auf den Errungenschaften der 70er Generation ausruht.

Aber sind denn die heutigen Frauen selbstbewusst, intelligent, unabhängig und vor allem emanzipiert?

In den 50er Jahren sollten die Frauen vor allem hübsch aussehen, das „Heimchen am Herd“ sein und die Kinder großziehen. Man hielt sie für zu dumm um wählen zu gehen und eine berufliche Karriere stand völlig außer Frage.

Schaut man sich aber die heutigen Frauenmagazine, Blogs, etc. an, dann beschleicht einen der Eindruck, dass Frauen auch heute noch vor allem schön aussehen sollen. Aber warum lassen sich Frauen nach 40 Jahren der Emanzipation und zum Beispiel unzähligen Versuchen Frauen für MINT-Fächer zu begeistern, nach wie vor auf ihr Äußeres reduzieren und unterstützen dies sogar?

Zwar möchten wir Frauen als selbstbewusste, intelligente und unabhängige Individuen wahrgenommen werden, die ihren eigenen Weg gehen. Wir möchten so angenommen und akzeptiert werden wie wir sind und uns von niemanden verbiegen lassen. Aber die Magazine, Blogs und YouTube Channels für Frauen sind gefüllt mit Abnehmtipps, Modeempfehlungen, Makeup Tutorials, etc. Und wehe eine Frau entspricht mal nicht einem gängigen Ideal der Hochglanzmagazine und dem was uns die Medien vorgaukeln wie Frau zu sein hat – nämlich schlank und gutaussehend. Dann sind es oft gerade die Frauen, die über ihresgleichen die Nase rümpfen und über diese Frauen herziehen. Auch heute noch muss sich eine Vollzeit tätige Mutter anhören, dass sie eine Rabenmutter sei, wenn sie trotz Kind Vollzeit arbeiten geht und erfolgreich Kind und Karriere unter einen Hut bringt. Dabei sind es nicht die Männer, die ein solches Verhalten nicht billigen, sondern in erster Linie sind es andere Frauen!

Warum machen sich Frauen das Leben oft untereinander schwer? Zickenkrieg und Stutenbissigkeit sind Worte, die in der Männerwelt überhaupt kein Pendant haben. Äußerlichkeiten oder andere Lebensentwürfe sind unter Männern sekundär, wenn das Gegenüber Netzwerkpotential besitzt.

Was wäre, wenn Frauen untereinander damit beginnen würden, jede so zu lassen, wie sie ist und statt gegeneinander, miteinander und füreinander zu arbeiten. Eben so, wie es die Männerwelt vormacht. Dann würden wir für unsere Töchter ein echtes Vorbild sein können und vielleicht die Rahmenbedingungen maßgeblich mitgestalten können, so dass unsere Kinder in einer Welt leben können, die bunt ist. Bunt, weil voller unterschiedlicher Lebensentwürfe und ohne Diktat, was für eine Frau richtig oder falsch ist. Dann hätten wir Gleichberechtigung.

Wir haben es in der Hand!