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Kategorie: " Networking "

04. Juni 2014 | 14:33 Uhr | Claudia Huhn

FEMALE Only - Sind Netzwerke für Frauen männerfeindlich und deshalb unnötig?

Lange Zeit gab es viele Netzwerke für Männer bei denen es für die Frauen galt: „Du musst leider draußen bleiben! Erfreuen sich deshalb Netzwerke für Frauen einer immer größeren Beliebtheit? Schaffen wir uns mit den „Frauennetzwerken“ einen Gegenpol, ganz nach dem Motto: Was Ihr könnt, können wir schon lange?

 

Vielleicht gibt es das ein oder andere Netzwerk, für das diese Annahme gilt. Aber ist sie nicht längst überholt? Ist die moderne, gut ausgebildete Frau wirklich männerfeindlich bzw. grenzt über das Geschlecht aus? Wollen wir tatsächlich wieder an diesen Punkt zurück? An den Punkt, an dem es darum geht im Wettbewerb zu beweisen, wer das bessere Geschlecht ist?

Geht es bei den FEMALE Only-Netzwerken moderner Frauen nicht vielmehr darum, sich mit Geschlechtsgenossinnen in einer gemeinsamen Sprache zu verständigen, die nicht von zwischengeschlechtlichen Interaktionen beeinflusst werden, sich über Themen auszutauschen, die in dieser Kombination häufig ein ausschließliches Frauen-Thema ist?

Wenn es in der Einladung zu einer regionalen Netzwerk-Veranstaltung des Zahnärztinnen Netzwerks heißt: „Wie lese ich eine BWA?“ dann ist davon auszugehen, dass diese Aufgabenstellung geschlechtsunspezifisch ist und ebenso viele Zahnärzte wie Zahnärztinnen das Lesen einer BWA beherrschen oder eben nicht und daher zu den potentiellen Teilnehmern/-innen dieser Veranstaltung zählen könnten.

Wenn dieses Thema Männlein wie Weiblein gleichermaßen anspricht, warum dann doch FEMALE Only? Der Grund dafür liegt zum einen in der unterschiedlichen Herangehensweise an ein Thema in einer Gruppe, zum anderen in der andersartigen Kommunikation von Männern und Frauen und nicht zuletzt an den gewünschten Nebeneffekten einer solchen Veranstaltung. In ausschließlich weiblichen Gruppen herrscht ein hohes Maß an Offenheit. Keiner wird „beäugt“, kategorisiert und bewertet. Man wird genommen, so wie man ist bzw. so wie man kommt. Wettbewerbsambitionen existieren in weiblichen Gruppen sehr viel weniger als in heterogenen Gruppen und die Netzwerkthemen, die als Nebeneffekt gemeinsam diskutiert werden sind häufig für Männer nicht wirklich interessant. Vielleicht mag das in der Zukunft anders werden, es bleibt zu hoffen, allerdings ist Familienmanagement aktuell ein doch noch sehr stark weiblich besetzter Job.

Kürzlich erklärte mir ein Mann welche Themen für einen solchen regionalen Netzwerkabend attraktiv seien. Selbstverständlich kamen die stereotypen Antworten: Kind und Karriere – wie macht man das; Vertretungen bei Schwangerschaft sowie Erfolg als angestellte Zahnärztin. Ist das alles? Sind das die Themen, die die Zahnärztinnen wirklich interessieren? Die Gespräche mit den Teilnehmerinnen zeigen etwas anderes. Sie genießen die komplette Breite der Themen, ob in der Tat nur für Frauen interessant oder geschlechtsunspezifisch und sie genießen es, sie selbst sein zu dürfen. Nicht darauf achten zu müssen, keine „dummen“ Fragen zu stellen und trotzdem mit der Gewissheit nach Hause gehen zu können, alle im Gepäck befindlichen Fragen auch tatsächlich gestellt zu haben.

Als Sahnehäubchen gibt es dann den Support der erfahrenen Zahnärztinnen, die Kind und Karriere schon erfolgreich unter einen Hut gebracht haben und die Tipps zur Vertretungsregel in der Schwangerschaft sowie die Entscheidungshilfe angestellt oder selbständig kostenlos, wohlwollend und praxiserprobt oben drauf.

Es ist gut, dass die Welt bunt ist, also aus Männern und Frauen besteht. Es ist wichtig, dass sich jedes Geschlecht auf seine Stärken fokussiert und nicht immerzu versucht so zu sein wie die das andere. Vermutlich haben wir Frauen noch einen Weg zu absolvieren bis wir selbst davon überzeugt sind, dass weibliche Werte und Vorgehensweisen vielleicht andere sind als männliche, was allerdings nicht heißen muss, dass Frau damit nicht ebenso gut oder vielleicht sogar besser ans Ziel kommen kann.

Deshalb: Ein Hoch auf die Weiblichkeit und ebenso ein Hoch auf die Diversifikation.