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Kategorie: " Work-Life-Balance "

13. März 2014 | 11:13 Uhr | Claudia Huhn

Was wäre wenn ... Oder: Die Kunst das Leben in vollen Zügen zu geniessen

Lillian Hellmann, 1984 verstorbene Schriftstellerin aus Amerika: Es ist ein trauriger Tag, wenn man herausfindet, dass es weder Zufälle noch die Zeit, noch das Schicksal, sondern mal selbst es war, der sich Dinge vorenthalten hat.

 

 

Wie oft hören wir uns zu wenn wir sagen: Jetzt nicht, später. Später werden wir so viel machen. Neue Wege in unserem Unternehmen gehen, mehr Zeit mit unserer Familie verbringen, mehr für uns selbst tun, Freunde treffen, eine Fremdsprache lernen, ein neues Land und dessen Bewohner kennen lernen, und, und, und. Die Später-Liste ist unendlich lang, weil die uns zur Verfügung stehende Zeit mit anderen Prioritäten so voll ist, dass am Ende des Tages, also am Ende der Zeiteinheit noch soviel zu tun ist.

Würde diese selbstgewählte Prioritätenlisten Bestand haben, wenn wir ins Kalkül ziehen würden, dass unsere Zeit endlich ist? Das nicht immer dem Heute automatisch ein Morgen folgt. 

Doch enthält uns immer nur die mangelnde Zeit Dinge vor? Sind es nicht vermeintliche Konventionen, gesellschaftliche Normen und Regeln oder ungeprüft und unterbewusst übernommene Glaubenssätze, die uns die meisten Dinge vorenthalten? Vorenthalten, weil sie unser Unterbewusstsein daran hindern die notwendige Energie für deren Umsetzung oder Realisierung zur Verfügung zu stellen.

Als Kind konnte kaum ein Kind besser auf Bäume klettern als ich. Alle Kinder, zum Großteil Jungs saßen auf dem Baum, nur mich forderte meine Mutter mit dem Kommentar auf: Du bist ein Mädchen, komm da runter!“ Diesem kleinen Beispiel könnte ich noch viele darüber hinzufügen, was Mädchen tun und insbesondere was nicht.

Aber wer sagt eigentlich was Mädchen tun dürfen/können/sollen/müssen? Wer bestimmt überhaupt darüber, was gesellschaftlich akzeptierte Norm ist und was nicht? Was würde in unserem Leben passieren, wenn wir es schaffen würden, nicht mehr den „man“ in unserem Leben darüber entscheiden zu lassen, was wir tun und was nicht, sondern selbst aktiv darüber entscheiden.

Aktiv darüber entscheiden, wie Familie in der eigenen Welt funktioniert, wie viel Karriere mit Kind möglich und gut für den Nachwuchs aber auch vor allem für einen selbst ist. Aktiv entscheiden, dass die weiblichen Stärken, zum Beispiel die der Empathie, in einem Unternehmen ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor sein können, auch wenn andere darüber lächeln und vielleicht sogar abschätzig werten: Wie kann man ein Unternehmen nur nach Bauchgefühl führen? 

Was wäre wenn wir die komplette Verantwortung für unser Leben in seiner ganzen Fülle übernehmen würden? Was würden wir dann tun, vielleicht bereits getan haben? Wenn uns hier eine lange Liste an Dingen einfällt, dann sollten wir uns dringend hinsetzen, um unsere gedanklichen „Beschränkungen“ auf den Prüfstand zu stellen. Macht dieser Glaubenssatz, der uns so lange schon begleitet noch Sinn oder hindert er uns an unserer Selbstverwirklichung? Wer sagt, dass man dies oder das nicht tut und hat derjenige überhaupt das Recht dazu? Anders ausgedrückt: Wollen wir ihm/ihr zukünftig noch das Recht einräumen von uns gehört zu werden? Hören wir doch einfach mehr auf unser Herz und unseren Bauch, die beiden wissen sehr genau, was für uns gut und schlecht ist.

Und vielleicht können wir unseren Enkelkindern dann als Großmutter im Lehnstuhl noch begeistert die Geschichten erzählen, die frau eigentlich gar nicht tut, uns aber ein reiches Leben beschert haben.

Ich freue mich schon heute auf die leuchtenden Kinderaugen.