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Kategorie: " Rahmenbedingungen "

19. Juli 2013 | 14:04 Uhr | Claudia Huhn

10 Gebote der zu netten Frau - Gebot IX: Du sollst alles perfekt machen!

Eben sprach ich mit Claudia Behringer, einer engagierten Unternehmerin, Expertin im Zahnärztinnen Netzwerk, dreifacher Mutter, die sie noch dazu alleine groß gezogen hat. Sie kam gerade vom Thai Chi und sagte: "Ich fühle mich jetzt richtig gut. Lange Zeit habe ich zu wenig für mich selbst gesorgt und jetzt mit Thai Chi angefangen.

 

Vielleicht kennen Sie das auch: Alle zerren an Ihnen. Der Job, die Familie, der Haushalt und immer hat frau das Gefühl, nicht allen Personen, Dingen und Situationen perfekt gerecht werden zu können. Andere haben vordergründig die steilere Unternehmensperformance, ihre Mitarbeiter besser im Griff, mehr strategische Ausrichtung und was nicht noch alles. Nebenbei schaffen es diese Menschen auch noch perfekte Kinder zu erziehen, die neben der musikalischen Früherziehung ganz selbstverständlich auch zum Kinderyoga und zum Erlernen der ersten Fremdsprache gebracht werden. Versteht sich von alleine, dass das die Mutter erledigt. Ganz davon abgesehen, dass deren Haushalt auch aussieht, wie aus einem Einrichtungsmagazin. Top durchgestylt, immer so rein, das es den Anschein macht, als würde niemand darin wohnen. Kurzum: Diese Frauen scheinen einfach alles perfekt zu schaffen. 

Treffe ich solche Menschen, dann springt es mich an, das Gefühl eben nicht perfekt zu sein und sofort neige ich dazu, den Versuch zu unternehmen, es doch sein zu wollen. Schnell komme ich an den Punkt, das mein Leben, mit all seinen Aufgaben, von denen ich viele selbst gewählt habe, mich aufzufressen droht. Denn bei allem Perfektionismus bleibt keine Zeit, um für mich selbst zu sorgen. 

Spreche ich mit anderen Frauen darüber, dann scheint dies eine echte weibliche "Tugend" zu sein. Der Anspruch perfekt sein zu wollen. Die perfekte Mutter, die perfekte Unternehmerin und ebenso die perfekte Haushälterin. Selbst um den Preis, dass das bedeutet immerzu über der Belastungsgrenze zu arbeiten und ganz selbstverständlich auf jegliche Zeit für sich selbst zu verzichten.

Claudia Behringer, deren Kinder, ganz im Gegensatz zu meinem, schon erwachsen sind, "gut im Leben stehen", wie sie selbst sagt, ist mir an Jahren und Weisheit ein klein wenig voraus. Im Gespräch fragte ich sie, ob sie auch andere Zeiten, ohne Zeit für sich selbst kennen würde. Voller Inbrunst sagte sie: "Klar, als die Kinder klein waren, als ich die Familienernährerin war, da blieb für mich selbst keine Zeit. Heute ist das wieder anders und heute nehme ich mir die Zeit, die ich für mich brauche."

Vielleicht ist es wichtig zu akzeptieren, dass jede Zeit seine eigenen Anforderungen hat. Vielleicht ist schon alleine die Erkenntnis entspannend, nicht alles perfekt erledigen zu müssen, vielmehr gar keine Chance zu haben, alles perfekt erledigen zu können. Und wenn dem so ist, dann ist es auch nicht mehr wichtig, das perfekte Kind, das perfekte Unternehmen und den perfekten Haushalt zu haben. Vom perfekten Aussehen ganz zu schweigen. 

Alles zu seiner Zeit kann dann ja auch bedeuten, dass es Phasen im Leben gibt, wo lediglich Zeit für die wesentlichen Dinge des Lebens bleibt. Die unwesentlichen und selbstverständlich die unwichtigen bleiben unerledigt. Was für mich wesentlich ist, kann nur ich mir beantworten. Und das auch nur, wenn ich die Courage habe, ehrlich in mich hinein zu horchen. Was will ich, was will ich vom Leben, im Job, in der Familie? Da kann mir nicht die Gesellschaft helfen, die doch nur aus den Vorstellungen anderer besteht. Hier geht es nur um mich.

Meine Entscheidung ist gefallen: Ich muss nicht perfekt sein, um mich selbst zu mögen. Ich muss auch nicht perfekt sein, damit andere mich mögen. Vielmehr habe ich erkannt, dass ich nicht perfekt sein kann. Wenn alles seine Zeit hat, dann nehme ich sie, wie es kommt und arbeite nicht mehr gegen Unmögliches an. 

In diesem Sinne Ihnen allen eine herrlich unperfekte Zeit!

Die 10 Gebot der zu netten Frau, Quelle: Dipl. Psych. Christina Baumann