Blog

Kategorie: " Frau sein, Frau bleiben "

11. Mai 2013 | 20:21 Uhr | Claudia Huhn

Muttertag - Zeit sich selbst zu feiern!

Morgen ist Muttertag, mal wieder, ebenso wie jedes Jahr einmal. Wikipedia definiert: Muttertag ist ein Feiertag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. (...) Seinen Ursprung hat er in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung. Die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis versuchte 1865 eine Mütterbewegung Namens "Mothers Friendships Days" zu gründen. An von ihr organisierten "Mothers Day Meetings" konnten Mütter sich zu aktuellen Fragen austauschen. 



1914 wurde der Muttertag erstmals als nationaler, amerikanischer Feiertag begangen. Übrig geblieben von der ursprünglichen Idee ist häufig nicht mehr viel - außer Kommerz natürlich, ganz klar.  

In der Mai-Ausgabe des Magazins freundinDONNA brachte es die Autorin Vera Sandberg in einem netten Artikel dann auf den Punkt. Dieser Artikel ist so lesenswert, den möchte ich Ihnen an dieser Stelle in Auszügen nicht vorenthalten: 

Jetzt ... sich mal selbst feiern 

Wenn jetzt wieder der jährlich Hype zum Muttertag ausbricht, werde ich wütend. Nein, nicht auf meine Mutter, die weder Zeit noch Lust hatte, am Herd zu stehen. Sondern auf dieses verlogene, altbackene Mutterbild, das uns alle ins Bockshorn jagt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass genau deswegen so viele Frauen erst gar kein Kind bekommen: Sie trauen sich nicht. Muttersein liegt nicht mehr in der Natur der Frau, es ist eine höhere Berufung geworden, ein Helden-Parcours, ein Lebensstil, der alles andere beiseiteschiebt. Die Mutter ist allen anderen Wesen moralisch überlegen. Sie kann alles, schafft alles, klagt nicht, ist dabei hübsch anzusehen und gut gelaunt. Sie soll schließlich auf für den Vater noch ein bisschen da sein, damit er bei ihr bleibt. Die gute Mutter ist eine Erfindung, die es allen bequem macht, nur ihr nicht! 

Ist selbst habe die Durchschnittsquote überfüllt, laut der Akademikerinnen im Westen Deutschlands derzeit 1,34 Kinder bekommenb. Bei mir waren es 2,0 Kinder. Nach kurzer Ehe war ich alleinerziehend - und ab da war ich Mutter und Vater zugleich. Habe Geld verdient und Fieber gemessen. Tränen getrocknet und Fahrräder gekaut. Jeans gewaschen und Computer angeschafft. Nein, ich bin weit davon entfernt, mich zu beklagen. Doppelbelastung ist auch Doppelbelohnung. Ich will nur von diesem Muttertagskitsch verschont bleiben. Und ich will nicht mit ansehen müssen, wie auch meine Tochter in dieses wahnsinnige Rennen geschickt wird. Das Rennen darum, die beste Mutter der Welt zu sein. Zum selbst gebackenen Apfelkuchen gehören inzwischen auch die eigene Halbtagskarriere und der vorzeigbare Erfolg des Nachwuchses auf dem Reitplatz, am Klavier oder in der funfsprachigen Kita. Ansonsten: setzen, Fünf! Du bist eine Niete! 

Meine Mutter war Schriftstellerin, und das Schreiben war ihr eindeutig wichtiger als die Familie. (...) Meine Mutter hatte nie eine Nähnadel oder ein Bügeleisen in der Hand, sie hatte eine Zugehfrau, für die sie selbst das Geld heranschaffte. Meine Mutter saß, wenn wir aus der Schule kamen, an der Schreibmaschine, eine Zigarette im Mundwinkel, und rief: "Macht ihr euch was zu essen? Macht mir was mit!" Was lernt ein Mädchen da? für mich war es keine Frage, dass Beruf und Kind irgendwie zusammenpassen können. Das Detail mit der Putzfrau hatte ich dummerweise vergessen, und so fand ich mich bald im gleichen selbstausbeuterischen Teufelskreis wieder wie alle anderen jungen Mütter. Ich folgte zwei Botschaften. Erstens: Mach es wie deine Mutter, sei egoistisch und unabhängig. Zweitens: Mach es nicht wie deine Mutter, sei für deine Kinder da, liebevoll und mütterlich.  

Nachts habe ich Torten zum Kindergeburtstag gebacken und Faschingskostüme genäht. Wir haben Plätzchen ausgestochen, Lebkuchenhäuser gebaut und Ostereier bemalt. Ich immer auf der Flucht vor diesem elenden Gefühl, als Mutter eine Niete zu sein. Schlechtes Gewissen stand mir auf der Stirn geschrieben, wenn ich die Kinder morgens in der Kita abgab, um in die Redaktion zu eilen, schlechtes Gewissen saß mir im Nacken, wenn ich nachmittags vom Büro loshetzte, um sie wieder einzusammeln. Ich weiß längst, dass dieses Gefühl zum Muttersein gehört, wie die tägliche Gutenachtgeschichte. Auf dem Tiefpunkt meiner Selbstzerfleischung habe ich innegehalten und mich gefragt: Was ist eigentlich eine gute Mutter? (Vera Sandberg, freundinDONNA 5/2013) 

Ja, was ist eigentlich eine gute Mutter und wer bestimmt die Faktoren für diese Bewertung? Was darf eine gute Mutter und was nicht? Der Muttertag könnte alle Mütter einladen, sich diese Frage für sich selbst zu beantworten. Innezuhalten und, sofern möglich, alle gesellschaftlichen Normen und Vorstellungen zu einer guten Mutter für einen kleinen Moment zur Seite zu legen und sich die Frage ganz alleine mit dem Herzen und dem Verstand zu beantworten.  

Der Muttertag lädt zum Verweilen ein. Lädt ein, sich selbst auf die Schulter zu klopfen und sich einzugestehen, dass möglicherweise nicht alles perfekt ist - und wenn? Liebe Mütter feiern Sie sich selbst, Ihre Leistung und lassen Sie nicht zu, dass irgendwer oder irgendwas Ihnen Vorschriften macht, wie Sie Ihr Leben und Ihre Familie zu gestalten hätten. Wir haben es in der Hand, unseren Kindern vorzuleben, dass es viele Möglichkeiten gibt, Kind, Karriere und Familie zu vereinbaren. Das es letztlich nur darum geht, das Modell zu finden, dass zu einem selbst am besten paßt.  

Liebe Mütter: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind wunderbar!