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Kategorie: " Networking "

05. April 2013 | 10:55 Uhr | Claudia Huhn

Interview mit Klüngel-Expertin Anni Hausladen: "Ich hasse klüngeln" - außer, ich bin dabei"

Anni Hausladen ist Diplom-Betriebswirtin, Supervisorin, Coach und Netzwerk-Trainerin. Die Kölnerin meint, das rheinische Motto "Wir kennen uns, wir helfen uns" - richtig angewendet - ist die beste Strategie, im Job (Leben) weiterzukommen.



ZN: Im Rheinland hieß es schon immer klüngeln, im Coaching-Deutsch heißt es Netzwerken - gibt es einen Unterschied zwischen beidem?





AH: Es gibt keinen Unterschied in der Handhabung: Klüngeln ist das gleiche Wort wie Networking, nur auf Rheinisch-Deutsch. Klüngeln ist nach meiner Meinung das menschlichere Wort, denn Netzwerken klingt so kalt und technisch. Beim Klüngeln müssen Menschen aufeinander zugehen, die sich nicht gegenseitig ausnutzen sondern sich gegenseitig voranbringen wollen. Denn niemand auf dieser Welt schafft alles allein. Geben und Nehmen - das ist die Regel.



ZN: Klüngeln Männer im Beruf anders als Frauen?


AH: Ja, es gibt sogar große Unterschiede. Männer legen sofort ihr Klüngelpotential auf den Tisch: Das ist meine Position, das mein Mitarbeiterstab, das mein Etat und, und, und. Da diese Darstellung selbstverständlich ist, funktioniert es gut: man(n) kommt gleich zur Sache. Männer haben im beruflichen Umfeld keine Skrupel andere anzusprechen und deren Potential für sich zu nutzen. Andererseits wissen sie aber auch, dass sie umgekehrt auch "Hilfeleistungen" erbringen müssen, jetzt oder später. 

Frauen hingegen stehen sich manchmal selbst im Weg, weil sie den Irrglauben haben, dass alles über ihre eigene Leistung läuft. Das stimmt nicht: Es kommt vor allem auf die Verbindungen an. Es nutzt nichts, wenn Sie am Schreibtisch gute Arbeit leisten, aber niemand Ihre Kompetenzen und Fähigkeiten wahrnimmt. Daher ist es für Frauen wichtig, dass sie da mitspielen, wo tatsächlich Entscheidungen gefällt werden: Beim Smalltalk vor oder nach einem Meeting, im Flur, in der Kantine, in Clubs, am Stammtisch ... Frauen halten das oft für verlorene Zeit und eilen zurück zur Arbeit. 


ZN: Wie klüngelt man/frau richtig?


AH: "Ich hasse klüngeln, außer ich bin dabei!" - das ist ein beliebter Spruch. Der Neid kommt, wenn man selbst nicht mitmacht: Alle anderen scheinen sich prima zu verstehen, kontaktieren sich, sie helfen sich, sie geben sich Tipps und Informationen. Warum nicht mitmachen? Dabei ist aber wichtig eine Regel einzuhalten: Geben und Nehmen müssen ausgeglichen sein. Beide Seiten sollten etwas davon haben. Wenn es nur einseitig läuft, ist dieser Kontakt meist schnell beendet - eine Seite könnte sich ausgenutzt fühlen. Regel ": Klüngeln läuft auch über mehre Ecken: Sie erzählen im kleinen Kreis etwas was Sie suchen, und dann kennt jemand einen, der wiederum jemanden kennt ... bis Sie an die richtige Person kommen. Wichtig ist, sich für die Unterstützung bei dem oder der zu bedanken, der die Tür für Sie geöffnet hat. So erarbeiten Sie sich ein gutes Image.



ZN: Wer sollte mit wem klüngeln und mit wem klüngelt man besser nicht?


AH: Man kann mit jedem Menschen klüngeln, ob im Büro, mit der Nachbarin oder im Verein. Gemeinsam ist es immer leichter.



ZN: Ist das Internet ein berufliches Klüngelwerkzeug?


AH: Persönliches Netzwerken heißt sich sehen, sich treffen, miteinander reden. Das Internet hat den Vorteil, dass schnell Kontakt hergestellt und Informationen ausgetauscht werden können. Allerdings ist ein virtuelles Treffen bei Netzwerken wie XING oder Facebook etwas anderes, als gemeinsame Zeit in der Kantine, in der Kneipe, beim Sport oder bei Ihrem Zahnärztinnen Netzwerk zu verbringen.



ZN: Muss man klüngeln können oder kann man es lernen?


AH: Es gibt Menschen, die tun sich mit dem Klüngeln schwerer als andere - das geht oft bis in die Kindheit zurück: Haben die Eltern ein offenes Haus gepflegt, Freunde zu Besuch gehabt, durften Sie selbst Freunde mitbringen. Wenn Sie so aufgewachsen sind, werden Sei eher wenig Probleme beim Netzwerken - also beim Klüngeln - haben. Aber es gibt genügend Menschen, die etwas introvertiert sind oder sich mit der Vorstellung blockieren, keine Hilfe von außen, keinen Wink, keinen Tipp nutzen zu dürfen. Aber auch sie können das Klüngeln lernen: Seien Sie neugierig auf das, was andere tun. Auf deren Arbeit, deren Interessen, deren Erfolge. Und dann erzählen Sie von sich. Sie werden schnell Gemeinsamkeiten entdecken - und das beidseitige Klüngelpotential.



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www.frauen-kluengeln.de